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Brennpunkt Schwarzarbeit

Eine wahre Geschichte



Eine Initiative des ATeams vom Fliesenmeister Thomas Eichstädt
Es begab sich zu der Zeit, als Durchschnittsbürger B. aus T. sich anschickte, sein Heim zu renovieren: Er wendete sich an einen Fliesenlegerfachbetrieb der Fliesenlegerinnung und bat das Unternehmen, ihm einen Kostenvoranschlag für die Neugestaltung seines Bades zu erstellen. Der Chef der Fa. K. aus P. suchte ihn nach telefonischer Terminvereinbarung wenige Tage später auf, maß das Bad aus und lud die ganze Familie zur Beratung und zum Fliesenaussuchen in seine Ausstellung ein.

Nach eingehender technischer und gestalterischer Beratung erstellte das Unternehmen den Kostenvoranschlag. Hr. B. aus T. war unangenehm überrascht, als er der Endbetrag las: Mit den ausgesuchten, zugegeben nicht ganz billigen aber ganz tollen Fliesen und den Abbrucharbeiten im Bad sollte die gesamte Sache incl. Mwst. 2700,00 Euro kosten. Obwohl er Fa. S. aus P. für sehr freundlich und kompetent hielt, war der Betrag wohl etwas verdammt viel zu hoch, für das kleine Badezimmer!

Nachdem Hr. B. einen weiteren Kostenvoranschlag bei einem zweiten Fachbetrieb eingeholt hatte, der tatsächlich mit der stolzen Summe von 2870,00 Euro endete, entschloß sich Hr. B., es auf eigene Faust zu versuchen. Im Bekanntenkreis erfuhr er die Telefonnummer eines sehr guten Fliesenlegers", der so nebenbei was mache". Nach einer Woche vergeblicher Versuche erreichte Hr. B. die Frau des Fliesenlegers telefonisch. Da ihr Mann unterwegs sei, werde er sich bei Hr. B. melden, gab sie zur Auskunft. Hr. B. wartete und wartete, schließlich fuhr er in einen Baumarkt und kaufte Fliesen ein. Das Bad hatte er selbst ausgemessen und sich an die Mengenangaben der Fachbetriebe orientiert. Der freundliche Verkäufer verkaufte ihm gleich noch 8 Säcke Fliesenkleber und 6 Beutel Fugmasse mit, die brauche er ja sowieso. Da der Baumarkt 20,00 Euro für die Lieferung verlangte, selber machen aber mehr Spaß macht, lud Hr. B. die erste Hälfte des Materials in seinen Golf und fuhr klopfenden Herzens und um seinen Wagen bangend mit den ersten 480 kg Material nach Hause. Als er die 2. Fuhre hinter sich und das Material in der Garage stehen hatte, war er ganz schön platt. Die Kupplung des Wagens ja glücklicherweise nicht, aber wieso rutschte sie so beim Anfahren im Berg? Nun ja, eine Woche später stand Fliesenleger S. pünktlich und unangemeldet, als Hr. B. gerade beim Abendessen war, vor den Tür. Er wolle sich die Baustelle mal ansehen. Wann er anfangen könne, wisse er noch nicht, und mit dem Geld werden wir uns schon einig! Na ja, sagt Fliesenleger S., als er das Bad ansieht, das ist ja noch gar nicht so weit! Zuerst muß mal der Installateur her, Becken, Dusche, Wanne, Klo, der Kram muß erst mal raus, und der Elektriker, ja, der muß die Schalter und Steckdosen, Lampe abklemmen und den Durchlauferhitzer! Dann schlagen Sie die alten Fliesen ab und rufen mich wieder an! Damit verschwand Hr. S.

Hr. B. war platt.

Nachdem er innerhalb der nächsten 10 Tage den Installateur und den Elektriker aufgetrieben und diese ihre Arbeit erledigt hatten, konnte er endlich mit den Abbrucharbeiten beginnen. Vier Abende und einen Samstag später betrachtete er sich den ansehnlichen Schutthaufen hinter dem Haus und telefonierte dann mit stark verpflasterten Händen, den Muskelkater nicht zu vergessen, nach Hr. S.; der sei eine Woche krank geschrieben, würde sich dann aber melden, sagte dessen Frau. Das tat Hr. S. dann auch, Freitags nachmittags, 14 Tage später. (seit zwei Wochen schon duschte Fam. B. halt bei der Schwägerin, 3 km entfernt) Tja, Herr B., dann komm ich morgen, gab Hr. S. nach der Besichtigung zur Auskunft, gegen 9 Uhr bin ich da, besorgen Sie bis dahin schon mal 8 Sack Fertigputz und 2 Sack Spachtelmasse, da muß ich noch mal drübergehen.

Sprachs und verschwand.

Hr. B. stand Samstag Morgen um 7.00 Uhr auf und war um 8.00 Uhr im Baumarkt. Als er die Säcke verladen hatte, quietschte der Golf verdächtig, denn das Gewicht war er nun mal nicht gewöhnt. Beim Ausladen blieb der letzte Sack am Kofferraumverschluß hängen und riß auf - war das eine Sauerei!
Hr. B. war gerade fertig mit Staubsaugen (und nervlich übrigens auch), als Hr. S. um 9.45 auftauchte und anordnete: Die Säcke nach oben! Im Flur rührte er mit einem Elektroquirl den Mörtel an, die Plastikfolie von Hr. B. für über den Nadelfilzbelag lehnte er großzügig ab: Das gibt keinen Dreck!
Um 16.00 Uhr verließ Hr. S. die Baustelle. Die Wände waren glatt, das Material bis auf 2 angefangene Säcke sowie 5 Flaschen Bier verbraucht und der Nadelfilz im Flur ca. 3 mm dick mit Mörtel beschichtet. Frau B. beschäftigte sich bis 21.30 Uhr mit der Reinigung; die Spuren aber waren nicht mehr völlig zu tilgen.
Hr S. erschien in den nächsten 2 Wochen montags, mittwochs und samstags, auch mal donnerstags und dafür samstags nicht; Hr. B. assistierte und verzichtete daher auf eine Geburtstagsfete, drei Kegelabende und hatte permanent Rückenschmerzen; die Tagesschau kannte er nur noch aus der Erinnerung aber die Fliesen mußten hoch, Abfälle runter, Wasser und Bier wurde gebraucht usw. usw. Die Schwägerin wurde langsam sauer, da Hr. B. 2-3 mal abends um 21.30 zum Duschen kam.
Nachdem Wanne und Dusche durch die Sanitärfirma aufgestellt worden waren, beschaffte Hr. B. noch Porenbetonsteine vom Baumarkt, später noch eine Abschlußschiene für den Bodenbelag, einige Dekorfliesen und Silicon, seinem Golf eine neue Kupplung und seiner Frau eine Flasche Baldrian.
Nachdem das Bad nach einer Bauzeit von fast 11 Wochen nun endlich benutzt werden konnte und etwas Gras über die Emotionen gewachsen war, machte Hr. B. in einer stillen Stunde folgende Rechnung auf:

Kostenvoranschlag des teuersten Fachbetriebes (Rechnung darf lt. VOB 2870,00 Euro bei gleichgebliebener Ausführung um höchstens 10 % höher werden)
abzgl. Mwst. 395,86 Euro
netto 2474,14 Euro

Arbeit auf "eigene Faust":
Fliesen (38 m x 12,50 Euro) 475,00
Lohn Hr. S. 1480,00
Putz/Spachtelmasse 90,00
Kleber/Fugmasse 192,00
Schiene 4,00
Silicon 36,00
Porenbetonsteine 32,00
1 Rep. Kupplung Golf 362,00
1 Nadelfilzbelag Flur 164,00
8 Fahrten Baumarkt 36,00
eigener Zeitaufwand :
75 Std. x 5,00 Euro (mindestens) 375,00

Gesamt (eigentlich) 3246,00 Euro

Differenzrechnung:
3246,00 Euro abzüglich Fachbetrieb 2474,14 Euro = Gespart 771,86 Euro!

Oder etwa nicht?

Nachdem Hr. B. diese Rechnung aufgemacht hatte, war er sehr traurig - Zog er von den Mehrkosten, die er gegenüber den Angeboten der Fachfirmen gehabt hatte, die ruinierte Kupplung des Wagens und seine eigene Arbeitsleistung ab, so blieb immer noch ein Mehraufwand.
Aber: nicht nur dies ärgerte ihn, sondern auch, daß er noch drei Karton Fliesen in der Garage stehen hatte, die der Baumarkt nicht mehr zurücknehmen wollte und außerdem noch 2 Säcke angebrochenen Fertigputz und Spachtelmasse, die langsam aber sicher hart werden würden, nicht nur daß das Abbruchmaterial noch hinter dem Haus lag und das er noch irgendwie entsorgen mußte sondern auch die Papiertonne wochenlang mit leeren Fliesenkartons überfüllt sein würde, nicht nur, daß seine Schwägerin jetzt immer sehr kurz angebunden war, außerdem waren seine Kegelbrüder sauer; an seinen Geburtstagen war Bert immer da gewesen, jetzt grüßte der ihn grad noch so
Was ist, wenn sich mal ein paar Fliesen lösen würden- wäre dann Hr. S. bereit, das ohne Murren auf seine Kappe zu nehmen?? Oder würde er eine Reparatur ebenso großzügig berechnen wie seinen Lohn? Hr. S. hatte nur mit den Schultern gezuckt.
In dem Angebot der Fachfirmen hatte er etwas über Garantie gelesen - über mehrere Jahre sogar!!
Hr. B ist jetzt überzeugt, daß er sich ein Eigentor geschossen hat- viele Kosten - jede Menge Ärger - viel Zeit investiert und keinen Vorteil davon - Steuern und Sozialabgaben hinterzogen - hoffentlich kommt nichts raus - Bauzeit von 11 Wochen anstatt von 10 Tagen, der Haussegen seit Langem aus dem Lot - keine Reklamationsmöglichkeit und das alles ohne Garantie.

Prost Mahlzeit!

Weitere Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite vom ATeam

Quelle: www.fliesenlegerinnung-trier.de